KINDER · Gesundheitsratgeber
Zerebralparese: Alltag und Rehabilitation
Bewegung, Haltung und Alltagsteilhabe bei Zerebralparese: auf das Kind zugeschnittene Rehabilitationsziele, Angehörigenschulung und Begleitung während des gesamten Wachstums.
Aktualisiert: · Allgemeine Information
Was ist eine Zerebralparese und welche klinischen Formen gibt es?
Die Zerebralparese (CP) ist eine Störung von Bewegung, Haltung und Muskelkontrolle infolge einer nicht fortschreitenden Schädigung des sich entwickelnden kindlichen Gehirns, die im Mutterleib, während der Geburt oder in den ersten Lebensjahren entsteht. Die Schädigung schreitet nicht voran, doch können sich mit dem Wachstum des Kindes Muskelsteifigkeit (Spastik), Gelenkeinschränkungen und Bewegungsmuster verändern. Die häufigste Form ist die spastische CP mit dauerhaft übermäßig angespannter Muskulatur; daneben gibt es ataktische (Gleichgewichtsverlust) und dyskinetische (unwillkürliche Bewegungen) Formen.
Die Bedeutung von Frühdiagnose und Nachsorge von Risikokindern
Säuglinge mit einer Vorgeschichte von Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht, Gelbsucht oder Sauerstoffmangel unter der Geburt gelten als „Risikokinder“. Frühe Anzeichen im Säuglingsalter sind Saugschwäche, übermäßige Schlaffheit oder übermäßige Steifigkeit, eine bis zum 3.–4. Monat fehlende Kopfkontrolle sowie dauerhaft zur Faust geballte Hände. Eine in den ersten Lebensmonaten begonnene Frühintervention nutzt die Plastizität des Gehirns — seine Fähigkeit zur Reorganisation — bestmöglich aus.
Der FizyoCare-Ansatz in der pädiatrischen und robotergestützten Rehabilitation
Für Kinder mit Zerebralparese wendet unser Zentrum die Prinzipien der Bobath-Therapie (neurophysiologische Entwicklungstherapie, NDT), sensorische Integration, Gleichgewichts- und Gangschulung, pädiatrische robotergestützte Gangsysteme, Trainingssysteme für die obere Extremität sowie Aquatherapie im Therapiebecken als Gesamtkonzept an. Zur Spastikkontrolle sollen von unseren Fachärztinnen und Fachärzten für physikalische Medizin und Rehabilitation geplante Botulinumtoxin-Injektionen, Orthesenversorgung und familienzentrierte Heimprogramme dem Kind zu größtmöglicher Selbstständigkeit im Alltag verhelfen.
Entwicklung und Alltagsteilhabe werden gemeinsam beurteilt
Die Auswirkung der Zerebralparese auf die Bewegung ist von Kind zu Kind verschieden. Bedürfnisse in Bezug auf Sitzen, Handgebrauch, Kommunikation und Ernährung werden gemeinsam betrachtet. Obwohl die frühe Hirnschädigung nicht fortschreitet, können sich Muskel- und Gelenkbedürfnisse mit dem Wachstum ändern; die Betreuung beschränkt sich daher nicht auf die Zeit der Erstdiagnose.
Ziele, die zu Spiel und Familienalltag passen
Es werden sinnvolle Ziele gewählt, etwa nach einem Spielzeug zu greifen, mit Unterstützung zu sitzen, sich am Ankleiden zu beteiligen oder sich in der Schule fortzubewegen. Orthesen und Hilfsmittel fördern die Teilhabe, wenn sie geeignet sind. Die der Familie gezeigten Übungen werden an den Alltag angepasst; das Kind bis zu Schmerz und übermäßiger Erschöpfung zu fordern, ist nicht das Ziel.
Ihre Fragen
Patienteninformationen
Ist Gehen für jedes Kind ein passendes Ziel?
Die Ziele richten sich nach Leistungsfähigkeit und Bedürfnissen des Kindes. Auch Kommunikation, bequemes Sitzen und andere Wege zu selbstständiger Fortbewegung sind bedeutsame Fortschritte.
Endet die Rehabilitation mit zunehmendem Alter?
Die Bedürfnisse können sich mit dem Alter ändern. Eine erneute Zielbestimmung beim Übergang in Schule, Jugend- und Erwachsenenalter kann sinnvoll sein.




























